das Verwobene in dem ich wohne, Johnengalerie, Berlin 2010

das Verwobene in dem ich wohne

In der Ausstellung „das Verwobene in dem ich Wohne“ werden Bilder aus geflochtenem Heu, eine temporäre zeltähnliche Behausung aus Kakteenfaser und eine Fachwerkstruktur aus Eiche gezeigt. Holzapfels neue Arbeiten formulieren die Hüllen um unseren Körper, Raumgrenzen oder Bilder, von denen wir uns leiten lassen. Hinter diesen Hüllen liegt als das Andere der öffentliche Raum, das nicht direkt sichtbare Spiegelbild, die Natur oder noch allgemeiner eine Topografie. Die Arbeiten der Ausstellung „das Verwobene in dem ich wohne“ bestehen aus natürlichen Materialien, die für die Menschen, die mit ihnen leben eine althergebrachte, symbolische Bedeutung besitzen und nach wie vor vielseitig verwendet werden. Die Skulpturen beziehen sich in ihrer Form auf die Landschaft und Lebensweisen der Orte ihrer Entstehung: Polen, Deutschland und Argentinien. Jede hat ihre  spezifische Technik, die – so die These – auch Kulturtechnik ist. Es sind zum Teil ephemere Materialien, außerhalb des zeitgenössischen Kunstinteresses, die aber ökologisch im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen. Holzapfel interessiert inwieweit die Landschaft und ihr Material Einfluß auf den Körper und sein Denken haben, welche Hüllen gesucht und geschaffen wurden. Ist es ein Zufall, dass in Pionierstätten des Maschinenbaus wie Japan, England und Mitteleuropa überall Fachwerkhäuser stehen – Gebäude die logisch und zugleich überdeterminiert sind wie ein Baum? Wieso hatten die Indios Argentiniens in einer endlosen und stürmischen Landschaft keine dauerhaften Behausungen? Wieso flechten die Bauern in Polen Monstranzen aus Stroh und hängen sich zu Weihnachten Strohsterne in die Wohnung?

Chaguar, Naturfarben, HOLZAPFEL, 2010




Für die Ausstellung entwarf  Holzapfel eine Fachwerkstruktur, die ein Atelier sein könnte. Das Zelt aus Chaguar, einer südamerikanischen Kakteenfaser, realisierte er gemeinsam mit einem Indiostamm, den Wichis, die Elemente nach seinen Entwürfen webten.  Dieses „temporäre Haus“ ist eine Symbiose aus Naturbeobachtungen, Abstraktion und virtuellen Raumbildern. Die Arbeit wurde in Buenos Aires, einer Stadt, die existiert als ob sie ihr Land nicht braucht, an verschiedenen Stellen aufgebaut. Im dritten Raum befinden sich Skulpturen aus Acrylglas. Die Härte des Materials erscheint durch die Bearbeitung durch Hitze fließend und weich. Je nach Farbe, Oberfläche und Licht ist die Form visuell kaum fassbar und changiert zwischen abstrakter Skulptur oder gefalteten Planen. Die Bildwerke wirken wie Membranen zwischen Außen und Innen und verkörpern einen prozesshaften Zustand zwischen verschiedenen Formen.


Es geht dem Künstler bei seinen neuen Werken weniger um den internationalen, generalistischen Charakter als um die Handlung an einem konkreten Ort wo er die Arbeiten auch fertigt. Er analysiert die charakteristischen Eigenschaften, immer Bezug nehmend auf seine westliche Identität. Seine Herangehensweise ist insofern romantisch, dass sie davon ausgeht, dass Natürliches, auch von Menschen Gebautes, direkte Antworten für unser Handeln bereits enthält. Durch die intensive Reflektion der Natur eröffnet sich deren wesentliche Systematik. Wie auch bei den Wichi-Indios wird die Idee der Welt nicht von der Kultur, sondern von den bereits bestehenden Dingen abgeleitet.







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